Die Zitronenplantagen der Burg

Die hohen Besucherzahlen in der vergangenen Saison belegen, daß bestimmte Werte und Traditionen es wert sind, bewahrt zu werden und zu einer Quelle des allgemeinen Interesses der Urlauber werden können. Über 30.000 Besucher sind in der Tat eine stolze Zahl, die uns einen weiteren Einblick in die Vorlieben der Urlauber gibt. So wird die Tradition zu einem Kriterium, das bei der Definition eines Urlaubsprogramms im Zeichen der Liebe zur Umwelt und der Nähe zum Menschen und zur Natur bei der Auswahl der zu besichtigenden Orte eine wichtige Rolle spielt. Die Wiederentdeckung dieser Orte und ihre Erschließung für die Öffentlichkeit stellen somit eine intelligente Möglichkeit zur Erweiterung unseres Touristikangebots und einen zusätzlichen Wert dar, der die Geschichte und Kultur einer Gegend bereichert, die bereits vor vielen hundert Jahren von den ersten Urlaubern besucht wurde, die sich vom See und den attraktiven umliegenden Bauwerken, die das bezaubernde Bild der Landschaft prägen, beeindrucken ließen.

La Limonaia del Castèl
(Das Zitronengewächshaus "del Castèl")
(Pdf File)

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Zitronen in Limone - fast vierhundert Jahre Geschichte - Es wird den Mönchen aus dem Franziskaner_kloster in Gargnano zugeschrieben, erstmalig im 13. Jahrhundert die Zitrone aus Genua an den Gardasee gebracht zu haben. Bald dehnte sich der Anbau auch auf Maderno und Toscolano aus, wie Aufzeichnungen zahlreicher Reisender ab dem 15. Jahrhundert berichten. Ein eigentümlicher Hinweis auf Limone findet sich in der historischen Abhandlung "Storia della Riviera di Salò" (1599) von Grattarolo: "Lange bevor es Fabriken gab, wuchs hier der Zitronenbaum: Hierhin zogen sich die Schiffer manchmal zurück, wenn der Sturm allzu wild wütete, um mit dem Zitronenbaum zu sprechen."
Um Bäume und Früchte vor dem Frost zu schützen, wurden ab dem 17. Jahrhundert die ersten Zitronengewächshäuser gebaut. Sie bes_tanden aus Mauern, Pfeilern, Treppen, Eingängen und Balken, die von November bis März mit Bretterabdeckungen und Glasscheiben verkleidet wurden. Die meisten Zitronengärten wurden in der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts angelegt, vor allem dank der Familie Bettoni, welche in die Gärten Garbéra, Reamòl und Nua investierte. Seit jener Zeit ist Limone allgemein zum "Dorf der Zitronen" geworden. Das Aussehen der gesamten Bucht wurde von den neuen imposanten Bauten geprägt, was Künstler in Stichen verewigt und in Versen gepriesen haben.
Auch Johann Wolfgang von Goethe war am 13. September 1786, als er mit dem Boot von Torbole nach Malcesine fuhr, von der Landschaft Limones tief beeindruckt: "Der Morgen war herrlich, zwar wolkig, doch bei der Dämmerung still. Wir fuhren bei Limone vorbei, dessen Berggärten, terrassenweise angelegt und mit Zitronenbäumen bepflanzt, ein reiches und reinliches Ansehen geben. Der ganze Garten besteht aus Reihen von weißen viereckigen Pfeilern, die in einer gewissen Entfernung voneinander stehen und stufenweis den Berg hinaufrücken. Über diese Pfeiler sind starke Stangen gelegt, um im Winter die dazwischen gepflanzten Bäume zu decken. Das Betrachten und Beschauen dieser angenehmen Gegenstände ward durch eine langsame Fahrt begünstigt."
Limone war weltweit der nördlichste Punkt, an dem Zitrusfrüchte zu Handelszwecken angebaut wurden. Die Zitronen wurden zu Hunderttausenden exportiert, insbesondere nach Deutschland, Polen und Russland, was Arbeit und nicht unbedeutenden Profit sicherte.
In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts gab es die ersten Anzeichen der Krise, die zuerst durch die Gummikrankheit der Bäume (1855) ausgelöst, dann nach der Vereinigung Italiens (1861) durch die Konkurrenz der Zitronen aus den südlichen Regionen verstärkt wurde. Die Entwicklung des Transports und schließlich die Entdeckung der synthetischen Zitronensäure taten ein Übriges dazu. Durch all diese Faktoren wurde der Zitronenanbau immer unrentabler. Im Ersten Weltkrieg wurden die Abdeckungen der so genannten Limonaie aus Staatsinteresse beschlagnahmt. Dies und der außergewöhnlich strenge Winter 1928-29 gaben dem Zitronenanbau den Rest.
Das Zitronengewächshaus der Burg
Pfeiler und Mauern haben überlebt und erinnern noch heute an die blühende Vergangenheit der Zitronen in Limone. Um eine antike, geschichtlich und kulturell äußerst interessante Tätigkeit wieder aufleben zu lassen, hat sich die Stadtverwaltung von Limone für den Erwerb des Zitronengewächshauses der Burg durch die öffentliche Hand eingesetzt.
Dieses Gewächshaus befindet sich im alten Ortskern zwischen dem Berg, der Via Orti und der Via Castello. Die insgesamt 1.633 m2, welche die Limonaia einnimmt, erstrecken sich über mehrere Terrassen, die so genannten còle - drei auf der einen, vier auf der anderen Seite. In der Mitte liegt der Geräteschuppen (casèl). Der bauliche Ursprung des Gewächshauses geht auf den Anfang des 18. Jahrhunderts zurück.
Nachdem es im Besitz einiger der wohlhabendsten Familien des Ortes gewesen war (Familie Amadei, Bertoni, Patuzzi, Girardi, Polidoro), wurde es 1926 von Giuseppe Segala erworben, dessen Erben es 1995 an die Stadtverwaltung abtraten.
Nach den ersten Reinigungsmaßnahmen der Terrassen, dem Auswech_seln der Balken und Träger (sparadòs und cantér) im Jahr 1997 und der Erneuerung des Gebäudedachs am Eingang (1999) hat die Gemeinde mit einem Beitrag der Region Lombardei bzw. der lokalen Naturparkverwaltung im Rahmen des Entwicklungsplans ländlicher Gebiete 2000-2006 zahlreiche weitere Erhaltungsmaßnahmen durchgeführt: In den Jahren 2002-2003 wurden das mittlere Gebäude restauriert, die Bewässerungskanäle wiederhergestellt, Toiletten errichtet, die Elektroanlage installiert und die obere Bodenschicht zweier Terrassen erneuert.
Im April 2004 wurden rund 50 Zitrusgewächse angepflanzt: Zitronen, Zitronatzitronen, Pampelmusen, Mandarinen, Bitterorangen, Clementinen und Kumquats. Seit dem 22. Juli 2004 ist das Gewächshaus nun der Öffentlichkeit zugänglich.


Text: Domenico prof. Fava

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